Die Entstehung einer Bruyèreholz-Pfeife

Der Bruyèreholz-Strauch
Die Wurzel dieses Strauches wird seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit: Sowohl bei den Rauchern, die dessen Geschmacksneutralität und Hitzebeständigkeit schätzen, als auch bei den Herstellern, die bereits früh seine günstigen Verarbeitungsmöglichkeiten erkannten. So konnte die Bruyèrepfeife die bisher gebräuchlichen Modelle aus Ton gänzlich verdrängen. Im weiteren Sinne meint Bruyère (englisch Briar) das gemeine Heidekraut; in der internationalen Fachsprache jedoch hat es sich als Bezeichnung für das Holz der wilden Baumheide (lateinisch Erica arborea) eingebürgert, die im Mittelmeer-Raum heimisch ist. Optimal sind Bruyère-Knollen, die zwischen 15 und 30 Jahre alt sind.

Die Ernte der knollenförmigen Wurzel
Das Besondere bei der Bruyèreholz-Pflanze ist die knollenförmige Wurzelbildung. In Schwerstarbeit werden die Wurzelknollen in unwegsamem Gebiet ausgegraben. Die Ernte der Wurzelknollen erfolgt in den Wintermonaten, in der Ruhezeit der Pflanzenwelt, und zwar von so genannten Cioccaroli: Facharbeitern, die mit einer Kreuzhacke – einer Mischung aus Axt und Hacke – ausgerüstet sind. Mit der Hacke wird die Größe der Knolle abgetastet; wenn sie geeignet ist, wird sie ausgegraben und vom Strauchwerk befreit.

Die erste grobe Vorauswahl
Ausgegrabene und grob zurechtgeschnittene Bruyèreholz-Wurzelknolle. Beim Ausgraben wird die Knolle grob von Auswüchsen befreit, ebenso von eventuellen fauligen Teilen an der Außenschicht. Bei der anschließenden Teilung der Knolle in mehrere kleinere Stücke muss auf die Maserung der Oberfläche geachtet werden, um möglichst dem Verlauf der Fasern folgend zu teilen. Damit ist schon eine erste, grobe Vorauswahl getroffen, da jetzt der Querschnitt der Knolle begutachtet und vom Stein bzw. der Erde gesäubert ist und ungeeignete Stellen ausgesondert sind.

Wurzelknolle mit Stammholz
Oben rechts sehen Sie eine etwa 30-jährige Wurzelknolle mit Stammholz, das aber nicht für die Pfeifenfertigung geeignet ist.

Schneiden der Wurzel zu Kanteln
Die Bruyèreholz-Wurzel wird zu Kanteln geschnitten. Schon bei diesem Zuschnitt lässt sich die spätere Pfeife erahnen. Durch die deutlich zu Tage tretende Maserung kann die Form der Kanteln bestimmt werden. Es gibt zahlreiche Qualitätsstufen, wobei die beste Qualität ein Kopf ohne die geringsten Fehler darstellt und eine einwandfreie Maserung sowohl am Kopf als auch am Holm aufweist.

Die Lagerung
Die Bruyèreholz-Kanteln werden unter natürlichen Bedingungen auf einen Feuchtigkeitsgrad von 13 Prozent getrocknet. Dies benötigt manchmal Jahre; im Durchschnitt wird dem Holz eine Lagerung von zwei bis drei Jahren zuteil.

Die Fertigung beginnt
Nach Ablauf der Lagerungszeit beginnt die Arbeit der Formgebung: Auf eine schön gemaserte Kantel wird die Pfeife aufgezeichnet. Bei jedem der Arbeitsgänge muss sich die Qualität des Materials erweisen, seine Maserung bestenfalls makellos sein.

Die ersten groben Umrisse
Sägen der groben Umrisse des Pfeifenkopfes. Auch in Zeiten hoch entwickelter industrieller Fertigung ist die Herstellung einer Pfeife noch mit einem sehr hohen Anteil an Handarbeit und handwerklichem Können verbunden.

Der Kopf entsteht
Pfeifenherstellung, ob maschinell oder von Hand, ist immer Präzisionsarbeit. Hier wird gerade einem Pfeifenkopf gedrechselt. Manche Pfeifenhersteller verlassen sich lieber auf ihr Schnitzwerkzeug und lassen aus dem Bruyère eigenwillige Formen entstehen.

Kontrolle und Sortierung
Kontrolle und Sortierung der Rohköpfe nach Qualitätskriterien durch den erfahrenen Blick des Meisters.

Das Zugloch wird gebohrt
Das Zugloch im Kopf wird gebohrt. Der Kenner achtet darauf, dass das Loch genau am Boden des Tabakraumes sitzt. Liegt es höher, bleibt beim späteren Gebrauch immer ein nasser, nicht verrauchbarer Tabakrest zurück.

Das Holmloch wird gebohrt
Das Holmloch wird gebohrt. In Deutschland überwiegt die Produktion von Pfeifen mit Filter, weshalb das Holmloch etwas größer ausgelegt ist.

Verschleifen von Kopf und Mundstück
Nahtloses Verschleifen von Kopf- und Mundstück. Für eine besonders samtige Oberfläche wird diese Präzisionsarbeit am Kopf und Holm bis zu fünf Mal wiederholt.

Holmabschluss mit Verzierung
Eine Silberverzierung für den Holmabschluss der Pfeife. Jeder Hersteller hat sein eigenes Zeichen und macht mittels dieser Signatur aus jeder Pfeife ein kleines identifizierbares Kunstwerk.

Das Beizen
Sorgfältiges Beizen von Hand in mehreren Durchgängen und mit verschiedenen Farbtönen lässt die Maserung kontrastreich hervortreten.

Das Polieren
Dem Beizen folgt die Politur an der Scheibe – so wird die Oberfläche geglättet und die Maserung kommt erst richtig zur Geltung. Daraufhin werden Pfeifenkopf und Mundstück mit Wachs behandelt. Manche Pfeifenhersteller lassen dem guten (und dann meist außerordentlich exklusiven) Stück sogar eine Behandlung mit Öl zukommen.

Die Einrauchpaste
Auftragen einer Einrauchpaste. So fängt der Genuss der Pfeife ohne lästiges Einrauchen schon beim ersten Zug an.

Letzte Qualitätskontrolle
Sollte sich bei der letzten Qualitätskontrolle ein Fehler zeigen, durchläuft die Pfeife erneut den gesamten Fertigungsprozess.

Die fertige Pfeife
Nach über 60 Handarbeitsgängen erhält die Pfeife ihre Auszeichnung: Markenstempel und Modellnummer. Von hier aus kommt sie dann zum Händler, wo sie, gemeinsam mit Accessoires wie Pfeifenstopfer, Pfeifenreiniger, Pfeifenfilter oder Pfeifentasche auf ihren Käufer wartet.