Geschichte des Pfeiferauchens

Die Anfänge

Pfeiferauchen ist ein himmliches Vergnügen:
Von Mayas, Mythen, Majoran

Mit Rauch trinkenden Indianern und einem Irrtum des Kolumbus beginnt die abendländische Rauchgeschichte. Zu den ersten Importwaren gehört der Tabak.

Wer den Tabak vom Himmel holte, weiß niemand so genau. Nahezu sicher aber ist, wo es geschah. Die mexikanische Halbinsel Yucatán war nicht nur die Wiege der hochstehenden Maya-Kultur, sondern wohl auch der Geburtsort der Rauchkultur. Und auch wenn Kolumbus‘ Mission, einen Seeweg nach Indien zu finden, gnadenlos scheiterte, hat seine abenteuerliche Irrfahrt dem Abendland mit der Entdeckung Amerikas doch auch die Segnungen des Pfeiferauchens beschert.

Wie uns die Überlieferung lehrt, benutzten in der Alten Welt aber bereits die Römer Pfeifen, und zwar zum Genuss von Kräutern, vor allem Majoran. Bei Plinius kann man lesen, dass der Rauch dabei zusammen mit einem Trunk Wein „geschluckt“ wurde, um dessen Würze zu veredeln. Dazu atmete man den schmackhaften Dunst mit Hilfe eines Halmes ein.

Selbst die griechische Mythologie kennt einen Raucher: Epimetheus nahm gerne eine gut gewürzte Brise Rauchs. Ob er es seinem Bruder Prometheus gleichtat, der ja bekanntlich den Göttern das Feuer stahl, und die Pfeife aus dem Olymp stibitzte, ist nicht bekannt, aber eher unwahr- scheinlich: Während nämlich der aufmüpfige Prometheus aus himmlischer Rache am Felsen geschmiedet leiden musste, durfte sich Epimetheus mit dem geklauten Feuer immer wieder einen schmackhaften Glimmstengel entfachen.

Als magisches Anfangsdatum des Pfeiferauchens in unserem Sinn gilt der 12. Oktober 1492:
Da nämlich berichteten die beiden Matrosen Luis de Torres und Rodrigo de Jerez ihrem Kapitän Kolumbus aufgeregt, sie hätten „Indianer“ beim „Rauch trinken“ zugesehen. Kolumbus zeigte sich brennend interessiert und überzeugte sich selbst von der Entdeckung: Und tatsächlich nahmen die Eingeborenen aus langen gabelförmigen Rohren ein glimmendes Kraut zu sich, das einen angenehmen Duft verströmte.

Anschließend bescherte uns Kolumbus höchstselbst den ersten Irrtum der Rauchgeschichte – und lag somit wieder einmal ganz daneben: Verstand er doch die einheimische Vokabel für die Pfeife Tobago falsch, so dass bis heute nicht das Rauchutensil, sondern das aromatische Kraut der Indios in Anlehnung an Kolumbus Verständnisfehler als Tabak, Tobacco, Tabac, Tabacco usw. bezeichnet wird.

Auch die Götter der Neuen Welt rauchten, und zwar gewaltig: So wurde die aztekische Gottheit Tezcatlipoca ausschließlich rauchend dargestellt – ihre Priester und die Schar der Gläubigen eiferten ihr begeistert nach. Man vermutet, dass die Azteken den göttlichen Tabak genüsslich zu Rollen wickelten und mit den Schutzblättern des Maiskolbens umhüllten. Als Pfeifen dienten vermutlich hartschalige Samenkapseln tropischer Gewächse.

Bilder, Reliefs und Skulpturen liefern ein sicheres Indiz dafür, dass der Tabakgenuss eine Hinter- lassenschaft insbesondere der Mayas war, die wohl bereits während ihrer großen, „klassischen“ Epoche dem Rauchgenuss frönten. In einem Maya-Tempel im mexikanischen Chiapas entdeck- ten Archäologen eines der ältesten Zeugnisse des Pfeifen-Kults: die Statue eines Priesters in prächtiger Kleidung, der sich ganz dem blauen Dunst hingibt, wurde um 100 v. Chr. gefertigt.

In der Literatur machte kein geringerer als Karl May den deutschen Lesern mit den exotischen, Frieden stiftenden Rauchritualen der Indianer vertraut. „So nimm dein Calumet, und beschwöre, dass du so handeln wirst“, wird etwa Old Shatterhand im Schatz im Silbersee von „Großer Wolf“ aufgefordert, um ein Versprechen zu besiegeln. „Old Shatterhand löste die Friedenspfeife von der Schnur, tat ein wenig Tabak in den Kopf und steckte denselben mittels des Prairiefeuerzeugs in Brand“, heißt es im XI. Kapitel des Wildwest-Romans: „Dann stieß er den Rauch gegen den Himmel, gegen die Erde, nach den vier Richtungen aus und sagte: „Ich verspreche, dass wir an keine Gegenwehr denken werden! “ „Howgh! “ nickte der Häuptling. „Jetzt ist es gut. “ Doch Old Shatterhand ist klug: „Nein, denn auch du musst dein Versprechen besiegeln, “ erklärte Old Shat- terhand, indem er dem Roten die Pfeife hinhielt.“

Zugegebenermaßen gilt Karl May kaum als besonders glaubwürdiger Zeuge dieses indianischen Brauchs – immerhin ist der sächsische Abenteuerromancier nie im Land der Friedenspfeife gewesen. Die Bedeutung des Rauchens jedoch dokumentiert folgendes Märchen der Buffalo-Indianer:

„Ein Indianer war gestorben und auf freiem Feld liegen geblieben, so dass ein Schakal sich über den Leichnam hermachen konnte. Ein Verwandter des Toten erfuhr von der Schändung und ver- folgte den Schakal aus Rache ohne zu rasten Tag und Nacht. Endlich erbarmte sich der Große Manitou des unglücklichen Schakals, rief ihn zu sich und schenkte ihm eine Pfeife und Tabak. Als das arme Tier schließlich von seinem Verfolger gestellt wurde, bot es ihm die gestopfte Pfeife an. Der Indianer rauchte – und sein ganzer Zorn löste sich in Rauch auf. Da sprach Manitou: „So soll es geschehen! Haben sich zwei entzweit, so sollen sie zusammen rauchen, und Eintracht und Freundschaften werden sich wieder auf sie herabsenken.“

Bereits die Indianer also sahen gerne dabei zu, wie sich ihre Sorgen in Rauch auflösten. Nicht von ungefähr lautet ein indianisches Sprichwort: „Für die sorgenvolle Seele ist die Pfeife das, was die mütterliche Liebkosung für ein weinendes Kind bedeutet“. Und Schwarzer Elch, der Schama- ne der Oglaglas, behauptete: „Wenn Du mit einer Pfeife betest, dann betest Du für alle Dinge im